SCHALLER MESSTECHNIK
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Schaller Messtechnik Expertise
Was versteht man unter Kalibrierung und Justierung – und warum sind beide Schritte entscheidend für präzise Messergebnisse?
In der Messtechnik begegnen einem immer wieder zwei Begriffe, die häufig verwechselt oder sogar synonym verwendet werden: Kalibrierung und Justierung. Beide hängen im Umgang mit Messgeräten eng zusammen, erfüllen jedoch unterschiedliche Aufgaben. Genau diese Unterscheidung ist entscheidend für die Genauigkeit, Zuverlässigkeit und Nachvollziehbarkeit von Messergebnissen in der Praxis.
Justierung vs. Kalibrierung in der Feuchtemesstechnik – Unterschiede einfach erklärt
Die KALIBRIERUNG ist der Vergleich eines Messgeräts mit einem rückführbaren Referenzstandard, um Abweichungen festzustellen.
Dabei gilt:
- Das Gerät bleibt unverändert
- Es wird ausschließlich die Abweichung bestimmt
- Das Ergebnis wird dokumentiert (z. B. im Kalibrierzertifikat)
Beispiel:
Ein Hygrometer wird in eine Umgebung mit exakt 75 % relativer Luftfeuchte gebracht und zeigt 72 % an. Diese Abweichung wird erfasst, aber nicht korrigiert.
Kalibrierung = Diagnose
Die JUSTIERUNG ist der gezielte Eingriff in ein Messgerät, um festgestellte Abweichungen zu korrigieren auf Basis einer Kalibrierung.
Dabei gilt:
- Anpassung des Messgeräts an den Sollwert
- Eingriff in Software, Elektronik oder Mechanik
- Ziel: Messwerte innerhalb der geforderten Genauigkeit
Beispiel:
Ein Gerät zeigt dauerhaft 3 % zu wenig an. Bei der Justierung wird es so eingestellt, dass die angezeigten Werte möglichst nahe am Referenzwert und innerhalb der Toleranz liegen.
Justierung = Korrektur
Erst das Zusammenspiel beider Aufgaben schafft dauerhaft verlässliche Messergebnisse.
Die Bedeutung für den Einsatz in der Messtechnik
Gerade in der Feuchtemessung haben selbst kleine Messabweichungen große Auswirkungen:
- Qualitätsprobleme in der Produktion
- Fehlerhafte Materialbewertung durch Feuchtigkeitseinflüsse
- unzuverlässige Labor- und Prozessdaten
Warum auch High-End-Feuchtemessgeräte kalibriert und justiert werden müssen
Hochpräzise Feuchtemessgeräte bestimmen den Wassergehalt nicht direkt. Stattdessen erfassen sie physikalische Eigenschaften des Materials und berechnen daraus den Feuchtewert. Gemessen werden also elektrische oder physikalische Signale, die anschließend in einen konkreten Feuchtewert umgerechnet werden.
Damit diese Umrechnung dauerhaft zuverlässig bleibt, sind regelmäßige Kalibrierung und darauf abgestimmte Justierung unverzichtbar. Nur so lassen sich Abweichungen erkennen und gezielt so korrigieren, dass die geforderte Messqualität sichergestellt wird.
Kalibrierung und Justierung sind notwendig, weil Messbedingungen in der Praxis variieren und Messwerte dadurch beeinflusst werden können:
- Messgut ist selten vollständig standardisiert
- Feuchte wird häufig indirekt über Materialeigenschaften bestimmt
- Umwelt- und Probenbedingungen (z. B. Temperatur, Struktur, Dichte) verändern sich laufend
Weitere Informationen für dauerhaft präzise Messergebnisse finden Sie hier: Kalibrieren und Justieren